Südlicher Brillenlangur (Trachypithecus obscurus)

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) sind tagaktive Primaten aus der Teilordnung der Altweltaffen (Catarrhini). Sie sind über die gesamte malaiische Halbinsel (einschließlich benachbarter Inseln), im südlichen Myanmar (einschließlich des Mergui Archipels ) und in Südwest-Thailand (einschließlich benachbarter Inseln) verbreitet [2].


Lebensraum

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) bevorzugen geschlosse Primärwälder, sind aber auch in alten sekundären Wäldern, Vorstadtgebieten und Parks anzutreffen [5].


Aussehen

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) haben ihren Namen von den breiten weißen Ringen um jedes Auge. Auf der Ober- und Unterlippe befinden sich jeweils ein weißer Fleck [8]. Die Fellfarbe ist sehr variabel. Die oberen Körperteile können braun, grau oder schwarz sein, während die unteren Bereiche, die Hinterbeine und der Schwanz blasser sind. Neugeborene sind leuchtend gelb oder orange gefärbt und haben ein rosiges Gesicht, das Fell ändert allerdings innerhalb der ersten 6 Monage seine Farbe zu Grau [3][6].

Hände und Füße können kraftvoll zugreifen. Die Handflächen und Fußsohlen sind unbehaart und meist schwarz. Die Finger der Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) sind gut entwickelt, der Daumen ist opponierbar. Wie bei allen Altweltaffen ist der Schwanz nicht zum Greifen fähig.

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) erreichen im Erwachsenenalter eine Körperlänge von 42 bis 61 cm, hinzu kommt der Schwanz mit einer Länge von 50 bis 85 cm. Es gibt keine wesentlichen morphologischen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen mit der Ausnahme, dass Männchen etwas größer und schwerer als Weibchen sind. Im Durchschnitt bringen erwachsene Männchen 7,4 kg erwachsenen Weibchen ca. 6,5 kg auf die Waage.


Verhalten

Als tagaktive Primaten verbringen Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) die Nacht in ihren Quartieren hoch oben in den Bäumen. Auch tagsüber bei der Nahrungssuche und beim Umherstreifen halten sie sich in Höhen zwischen 25 und 50 m auf [8]. Sie bewegen sich kletternd, springend und vierbeinig entlang von Ästen fort. Dabei spielt der Schwanz eine bedeutende Rolle bei der Haltung des Gleichgewichts [3][4][6]. Bei der Nahrungssuche pflücken sie Blätter und Triebe mit der Hand ab, gelegentlich biegen sie dünnere Zweige um und führen die Blätter direkt zum Mund.


Ernährung

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) ernähren sich vorwiegend von Blättern, die einen Anteil von 58 % an der Gesamternährung haben, gefolgt von Früchten und Samen mit 35 % und Blüten mit 7 % [8]. Brillenlanguren nutzen 87 verschiedene Baumarten und fressen bis zu 2 kg pro Tag. Sie sind in der Lage unreife Früchte zu verdauen, die oftmals chemische Abwehrmaßnahmen gegen Tierfraß entwickelt haben. Ebenso sind sie mit Hilfe der Bakterien in ihrem Verdauungssystem in der Lage, giftige Blätter zu konsumieren [5].

In Gefangenschaft fressen Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) auch Süßkartoffeltriebe, Kopfsalat, Kohl, grüne Bohnen, Mais, Karotten und Beerenfrüchte. Fleisch wurde bei Tests abgelehnt, aber gelegentlich wurden bestimmte Insekten angenommen [4][6].


Brillenlangur (Trachypithecus obscurus)
Dieser Brillenlangur (Trachypithecus obscurus) wurde bei Burau bay auf der Insel Langkawi in Malaysia aufgenommen.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) gibt es keine Informationen. In den Gruppen leben in der Regel ein bis zwei Männchen und mehrere Weibchen - bei anderen Primatenarten ist diese Form der sozialen Organisation oft mit einem polygyn geprägten Fortpflanzungssystem verbunden. Es ist vernünftig anzunehmen, dass sich Südliche Brillenlanguren in dieser Hinsicht wie verwandte Primaten verhalten [4][6][7].

Der Sexualzyklus der Weibchen dauert rund 3 Wochen, der Östrus ist oft von einer Genitalschwellung begleitet. Geburten finden üblicherweise in den Monaten Januar, Februar und März statt, können aber auch während der Sommermonate auftreten. Nach einer Tragzeit von 150 Tagen kommt in der Regel ein einzelnes Junges zur Welt [8]. Die Jungaffen werden etwa im Alter zwischen 3 und 4 Jahren geschlechtsreif. Weibchen gebären nach ihrer ersten Geburt etwa alle 2 Jahre [3][4][7].

Forschungen über die Aufzucht des Nachwuchses gibt es nicht. Jedoch darf man davon ausgehen, dass die Tiere als Säugetiere und insbesondere als Primaten viel Zeit und Sorgfalt in ihre Nachkommen investieren. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass die Aufzucht in der Verantwortung der Weibchen liegt. Sie pflegen, schützen und ernähren das Neugeborene. Die Rolle des Vaters bei der elterlichen Fürsorge ist nicht bekannt. Wann die Säuglinge entwöhnt werden, ist ebenfalls nicht bekannt. Man weiß jedoch dass sie voll behaart und schon ziemlich aktiv zur Welt kommen [3].


Gruppenleben

Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) steifen in Gruppen von 5 bis 20 Individuen umher. Soziale Gruppen bestehen in der Regel aus einem oder mehreren erwachsene Männchen und zwei oder mehr Weibchen. Das Männchen hat drei Hauptaufgaben: Raubtiere zu entdecken, die Gruppe zusammen zu halten und an den Grenzen der Territorien zu patrouillieren. Die Reviere umfassen rund 33 ha, innerhalb dieser Grenzen legt die Gruppe bei der Nahrungssuche täglich rund 950 m zurück [8].

Die jungen Affen spielen in Gruppen in der Nähe eines erwachsenen Weibchens. Insgesamt sind Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) sehr soziale Tiere. Sie verfügen über eine Vielzahl von komplexen Vokalisationen wie schnauben, pfeifen, murmeln und quitschen um mit Artgenossen zu kommunizieren. Die bemerkenswerteste Vokalisation ist ein lautes Fauchen, das aus 4 Silben zusammengesetzt ist. Von ihren lauten, scharfen Rufen in den Nachmittagsstunden nimmt man an, dass es sich um Alarmrufe und nicht um „Loud Calls” handelt [8].


Kommunikation

Details der vokalen Kommunikation bei Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) sind nur spärlich bekannt. Man weiß jedoch, dass sie mittels Lauten ihre Territorien gegenüber Artgenossen abgrenzen. Wie bei anderen Primaten sind taktile Kommunikation (Fellpflege, Spielen, Paarung, Aggression) und visuelle Kommunikation (Mimik, Körperhaltungen) wichtige Bestandteile der sozialen Interaktionen [7].


Taxonomie

Primatologen unterscheiden derzeit 7 Unterarten [2]:

  • T. o. obscurus ist auf der Malaiischen Halbinsel nördlich bis in den Bundesstaat Perlis verbreitet.
  • T. o. flavicauda lebt im Norden der Malaiischen Halbinsel, im Süden Myanmars (einschließlich der Inseln James, Kisseraing und King im Mergui Archipel) und im Südwesten Thailands (einschließlich der Insel Koh Lak). Auf dem Festland lebt die Unterart nördlich von Perlis bis an die nördliche Grenze der Gesamtausbreitung.
  • T. o. halonifer ist auf die malaiische Insel Penang beschränkt.
  • T. o. carbo lebt vor der Westküste Malaysias und Thailands auf den Inseln Terutao, Dayang Bunting und Langkawi.
  • T. o. styx lebt im Osten der Perhentian-Inseln (Pulau Perhentian) und möglicherweise an der gegenüberliegenden Ostüste Malaysias.
  • T. o. seimundi lebt auf der thailändischen Insel Phangan und möglicherweise in gegenüberliegenden Gebieten Ost-Thailands.
  • T. o. sanctorum ist auf die zu Myanmar gehörenden Insel Zadetkyi Kyun (St. Matthew Island) im Mergui Archipel beschränkt.

Bedrohungen

Eine große Bedrohung für das Überleben der Art ist die Jagd zum Zwecke der Nahrungsbeschaffung und der Verlust und die Verschlechterung von Lebensraum durch Expansion von Palmölplantagen, der Landwirtschaft und durch Urbanisierung (Verstädterung). Auf der malaiischen Halbinsel werden Südliche Brillenlanguren (Trachypithecus obscurus) häufig Opfer von Verkehrsunfällen [1].

Angesichts des umfangreichen Verlusts an geeigneten Lebensräumen gibt es laut Weltnaturschutzunion (IUCN) Grund zu der Annahme, dass sich die Populationen auf einem Abwärtstrend befinden. Sie führt die Art daher auf der Vorwarnliste (Near Threatened) [1].


Systematik


Literatur

[1] Boonratana, R., Traeholt, C., Brockelmann, W. & Htun, S. 2008. Trachypithecus obscurus. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.2. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 09 August 2010; [2] Groves, 2001; [3] Grzimek, 1990; [4] Lekagul und McNeely, 1977; [5] MacKinnon und MacKinnon, 1980; [6] Medway, 1969; [7] Nowak, 1999; [8] Rowe, 1996
Dusky leaf monkey (dusky langur)
Dusky leaf monkey
Dusky leaf monkey / Trachypithecus obscurus, Kaeng Krachan National Park
Dusky Leaf Monkeys
Not a blond, just backlit by evening sun
Dusky Leaf Monkey
3 Dusky Leaf Monkeys
Dusky Leaf Monkeys @ Burau Bay
Dusky Leaf Monkeys @ Burau Bay
IMGP1908-1: Valentine's Day in the zoo

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