Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni)

Die Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni) ist ein tagaktiver Primat aus der Gruppe der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae). Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo sie im Tiefland des Kongo/Lualaba-Flusssystems lebt, bis nach Ruanda, wo sie im Albertine Rift und Nyungwe Wald anzutreffen ist. Im Norden bilden das Lindi/Nepoko-Flusssystem die Ausbreitungsgrenze, im Süden tropisch feuchte Wälder, hier sind die Grenzen aber schlecht definiert [3].


Lebensraum

Obwohl die Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni) eigentlich ein Tieflandbewohner ist, trifft man sie auch in den Bergen des Alberine Rifts an, dort hauptsächlich in Bambuszonen. Die östlichen Hochland-Populationen sind stark fragmentiert, hier leben diese Primaten nur noch in vereinzelten Lebensrauminseln. Viele Populationen, wie z.B. im Gishwati-Wald in Ruanda, an den Virunga-Vulkanen und in den Waldinseln zwischen Kahuzi-Biega und Masisi sind bereits verschwunden [3].

Am Mount Tshiberimu und im Kahuzi-Biega Nationalpark leben die Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) in Höhenlagen über 3.000 m und so nimmt man an, dass eine Höhe von 3.200 m die Obergrenze ihres Lebensraums bildet [3]. Der primäre Lebensraum von Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) ist dichter Bambuswald. Sie leben in einer Regenwald-Region, die von natürliche Grenzen umgeben ist. Seen und Fluss-Systeme, Regenwälder und Vulkangebiete definieren die Ränder ihrer Ausbreitung.


Aussehen

Die Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni) ist eine sexuell dimorphe Art, da die Männchen in der Regel größer sind als die Weibchen. Die durchschnittliche Körperlänge eines erwachsenen Männchens liegt zwischen 50 und 65 cm mit einem mittleren Gewicht von 7 - 10 kg. Weibchen erreichen eine durchschnittliche Körperlänge von 40 - 55 cm und werden durchschnittlich 4,5 - 6 kg schwer [4].

Das Fell einer erwachsenen Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni) ist oliv-grau bis schwarz. Am dunkelsten ist es an der an der Unterseite des Bauches, der Hinterbeine und der Arme. Der Rücken der erwachsenen Tiere ist oliv-grau. Diese unauffällige Färbung macht sie im Regenwald fast unsichtbar für Raubtiere. Das Fell der Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) ist lang, dicht und fein. Man kann sie sehr leicht am Gesamteindruck des Gesichtes erkennen, das etwas "eulenhaftes" an sich hat. Über den Augenbrauen verläuft ein horizontaler Streifen, aus der Mitte der Stirn verläuft ein vertikaler Streifen bis zur Oberlippe. Die Farbe der beiden Streifen reicht von gelb-cremefarben bis weiß, sie bilden eine T-förmige Zeichnung [4].

Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni)
Weibliche Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni)

Die Neugeborenen der Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) haben zunächst ein gelb-braunes Fell und etwas später entwickeln sie einen dünnen schwarzen Pelzring um das Gesicht. Im Laufe der Zeit dunkelt das Fell der Neugeborenen nach, bis es schließlich die Farbe der Erwachsenen annimmt [4].

Sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen ist die Haut des Genitalbereichs und des Gesäßes blau. Die männlichen Genitalien sind durch den blauen Hodensack und den rosaroten Penis sehr auffällig. Bei jugendlichen Männchen ist diese Färbung der Genitalien noch nicht so auffällig wie bei erwachsenen Männchen. Bei in Gefangenschaft lebenen Tieren ist beobachtet worden, dass die auffällige Färbung der männlichen Genitalien bezeichnend für das Erreichen der Geschlechtsreife ist [4].

Hände und Füße der Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) sind durch ihre verlängerten Fingerglieder einzigartig. Sie ermöglichen ihnen einen kraftvollen Griff, eine nützliche Anpassung für die Fortbewegung auf nassem Bambus [2].


Ernährung

Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) ernähren sich von Bambussprossen, die während der langen Regenzeit wachsen. Zusätzlich fressen sie das ganze Jahr über Blätter und Triebe von anderen Bäumen, Sträuchern und Kräutern, besonders von Peucedanum . Sie fressen auch Früchte, z.B. vom mehrjährigen Brombeerstrauch, und von ein paar anderen Pflanzen, die jahreszeitlich Früchte oder Samen produzieren. Diese tagaktiven Affen sind sowohl als Boden- als auch als Baumbewohner beschrieben worden. Wenn sie Nahrung in den Bäumen suchen, bewegen sie sich langsam und vertikal kletternd fort, obwohl sie den Großteil ihrer Nahrung meist auf dem Boden finden [2][4].


Fortpflanzung

Die Geburtssaison für Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) ist von Mai bis Oktober. Nach einer Tragzeit von rund 5 bis 6 Monaten bringen die Weibchen ein einzelnes Junges zur Welt, Zwillinge sind selten. Weibchen gebären etwa alle zwei Jahre. Die Säuglinge haben ein rosa Gesicht, das mit zunehmendem Alter nachdunkelt [4].


Gruppenleben

Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) leben in Gruppen von unter zehn Affen. Innerhalb dieser kleinen Gruppen gibt es ein dominantes Männchen. Weil sie in kleinen sozialen Gruppen und in dichter Vegetation leben, sind ihre Reviere relativ klein. Die kleine Reviergröße ist auch möglich aufgrund der Fülle von Nahrungsmitteln, die in dieser waldreichen Region wachsen [4].


Kommunikation

Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) kommunizieren mittels Lautäußerungen und Gerüchen, wobei Männchen und Weibchen die Grenzen ihrer Territorien mit Düften markieren, die von Sekretdrüsen produziert werden. So können Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) jeweils fremde Gebiete identifizieren und sich dementsprechend verhalten. Aufgrund der feuchten Umgebung, in der sie leben, ist eine kontinuierliche Duftmakierung notwendig. Vokale Kommunikation dient bei Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) als Orientierungshilfe in ihrem dichten Lebensraum sowie dazu, die Zugehörigkeit zur Gruppe zum Ausdruck zu bringen. Da diese Rufe sehr leise sind, machen sie damit keine Raubtiere auf sich aufmerksam. Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) benutzen vokale Kommunikation auch als Lockrufe während der Paarungszeit [1].


Gefahren

Raubtiere, die der Eulenkopfmeerkatze (Cercopithecus hamlyni) gefährlich werden können, sind Leoparden, Goldkatzen und menschliche Jäger, vor allem im Flachland, wo das Fallenstellen die gebräuchlichste Methode ist, um die Affen zu fangen. Zu der intensiven Bejagung kommt der Verlust des Lebensraums und die Fragmentation der Bergwälder hinzu, was vor allem Folge der Umwandlung letzterer in landwirtschaftliche Flächen ist [3].

Die Weltnaturschutzunion stuft Eulenkopfmeerkatzen (Cercopithecus hamlyni) als gefährdet (Vulnerable) ein, da die Art in der Vergangenheit hohe Verluste erlitten hat und dies auch weiterhin der Fall ist. Die gesamte zentralafrikanische Region ist ein Ort intensiver, bewaffneter Konflikte, welche die identifizierten Bedrohungen verschärft haben. Es wird erwartet, dass angesichts des anhaltenden politischen Klimas die Bestände weiterhin zurückgehen werden, was insgesamt zu einer Verringerung der Populationen um mehr als 30% über einen Zeitrahmen von 30 Jahren (=3 Generationen) führen könnte [3].


Systematik


[1] Estes, 1991; [2] Fleagle 1988; [3] Hart, J. & Butynski, T.M. 2008. Cercopithecus hamlyni. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 11 June 2010; [4] Rowe, 1996

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